Wundbehandlung

Die Wundversorgung hat sich in den letzten Jahrzehnten unheimlich geändert und verbessert. Eine etwas teurere Wundauflage lohnt sich meist durch viel bessere Wundheilung und schnellere Erfolge.
Hinweis:
Diesen Text, der von der Apotheken- kooperation A-Plus erstellt wurde, können Sie auch gerne als Broschüre bei uns bekommen.
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Wundbehandlung - heile, heile, segen
Es gibt viele verschiedene Arten von Wunden. Sie können durch äußere Gewalteinwirkung, durch Hitze, Kälte oder Strahlen sowie durch chemische und bakterielle Einflüsse entstehen. Und es gibt zahlreiche Faktoren, die die Wundheilung beeinflussen.
Jede Wunde ist eine direkte Verletzung der Haut, des Organs, das unseren Körper vor der Umwelt schützt. Sie hat wie kaum ein anderes Organ die Eigenschaft, sich zu regenerieren. Offene Wunden können demzufolge von selbst abheilen, vorausgesetzt, der körpereigene Heilungsprozess wird nicht gestört.
Was Sie persönlich zur Versorgung und Infektionsprophylaxe der verschiedenen Wundarten tun können und wann ein Arztbesuch erforderlich ist, möchte Ihnen Ihr A+Apotheken-Team in dieser kleinen Informationsbroschüre erläutern.
Sind Sie jedoch unsicher, sollten Sie besser zum Arzt gehen.
Die Haut - kein Mysterium
Zunächst wollen wir uns einmal die wichtigsten Funktionen der Haut betrachten. Mit einer Oberfläche von zirka 2 m² ist die Haut das größte Organ unseres Körpers und hat eine Vielzahl lebenswichtiger Aufgaben zu erfüllen. Es wäre daher oberflächlich, die Haut lediglich als äußere Hülle zu bezeichnen. Sie ist das größte Organ unseres Körpers und wiegt 4 bis 10 Kilogramm (je nach Alter). Welche vielfältigen Aufgaben die Haut pausenlos zu erfüllen hat, zeigt die folgende Aufzählung:
- Temperatur- und Feuchtigkeitsregulation
- Bildung der Hautfette
- Tastsinn
- Sonnenschutz
- Barriere vor Schmutz und Krankheitskeimen
- Auffangen mechanischer Stöße
- Spiegelbild der Seele
Die Haut ist in drei Gewebeschichten unterteilt:
Besonders wichtig ist die Barrierefunktion der obersten Hautschicht der Epidermis. Sie ist der erste Schutzschild gegen ungebetene Gäste, wie zum Beispiel bestimmte Bakterien oder Pilze. Andererseits leben auf unserer Haut sehr viele Bakterien, die für das normale Funktionieren der Haut wichtig sind. Wird diese oberste Hautschicht - man spricht auch vom Säureschutzmantel - durch mechanische oder chemische Kräfte geschädigt oder gar zerstört, kann sie ihre Barrierefunktion nicht mehr wahrnehmen.
Die darunter liegende Lederhaut verleiht der Haut ihre Elastizität und Dehnungsfähigkeit. Wird sie verletzt (bis dahin reichen die Blutgefäße), fängt die Wunde an zu bluten. Das Bluten der Wunde hat einen reinigenden Effekt.
Die Unterhaut, bestehend aus Bindegewebe, dient vor allem der Abpolsterung von Stößen sowie der Wärmeisolation.
Verletzung ist nicht gleich Verletzung
Schürfwunden
Sie betreffen lediglich die Oberhaut (Epidermis) und sind oberflächlicher Art. Die darunter befindliche Lederhaut bleibt unverletzt. Wunden heilen meist ab ohne Narben zu hinterlassen. Schmutz am besten mit klarem Wasser vorsichtig entfernen. Danach die Wunde mit einer fertigen Lösung aus der Apotheke desinfizieren. Wird eine Wundauflage gewünscht, dann einen transparenten Hydrokolloid-Verband auflegen.
Hautblasen
Durch Druck oder Reibung hebt sich die Oberhaut ab. Es entsteht ein Hohlraum, der mit Flüssigkeit gefüllt ist. Große Blasen können mit einer sauberen Nadel punktiert werden, wobei die Oberhaut als biologischer Wundverband nicht entfernt werden sollte. Aufgerissene Blasen mit einem Blasenpflaster abdecken.
Schnittwunden
Sie können sehr tief sein und alle Hautschichten verletzt haben. Auch innere Körpergewebe können betroffen sein. Deshalb je nach Wundtiefe die Bewegungsfähigkeit und die Durchblutung überprüfen. Nach vorsichtiger Reinigung sollten die Wundränder mit einem Klammerpflaster zur Erleichterung der Wundheilung fixiert werden.
Stichwunden
Die äußeren Schädigungen sind oft nur klein. Sie können aber sehr tief sein. Deshalb muss damit gerechnet werden, dass unter der Haut Gefäße, Nerven oder Organe verletzt wurden und sich Infektionskeime in der Wunde befinden. Aus diesem Grund bei tieferen Wunden immer an einen Arzt verweisen. An eine Tetanus-Impfung denken!
Biss-, Kratz- und Risswunden
Sie sind oft mit Bakterien besiedelt und erfordern besondere Behandlungsmaßnahmen, da beispielsweise über den Speichel auch gefährliche Gifte übertragen werden können. Bei einem Tierbiss in einem tollwutgefährdeten Gebiet ist eine Tollwutimpfung unbedingt erforderlich! Zerfetzte und gequetschte Wundränder werden mit einer Wundausschneidung vom Arzt versorgt. Bei Kratzwunden stehen Reinigung und Desinfektion im Vordergrund.
Quetschwunden
Sie entstehen meist durch stumpfe Gewalteinwirkung, zum Beispiel durch einen Schlag oder Stoß. Quetschwunden zeigen oft ausgedehnte Gewebszerstörungen, zerfetzte Wundränder oder Wundtaschen. Sie sind stark infektionsgefährdet und heilen oft nur schlecht. Reinigung und Desinfektion der Wunde sind deshalb vorrangig.
Wunden, hervorgerufen durch Hitze oder chemische Stoffe
Je nach Dauer und Ursache der Verletzung kommt es zu Gewebszerstörungen unterschiedlichster Schwere. Brandwunden, Verblitzungen durch Laser, Säure- oder Laugenverätzungen aber auch der Sonnenbrand zählen hierzu. Fließendes, kaltes Wasser zur Schmerzlinderung bzw. zur Neutralisation sind die erste Maßnahme bei Brandwunden und Verätzungen. In schweren Fällen immer an einen Arzt verweisen!
3 Phasen der Wundbehandlung
Jede Wundheilung verläuft unabhängig von der Art der Wunde und vom Ausmaß des Gewebeverlustes in drei Phasen, die zeitlich überlappen und sich nicht voneinander trennen lassen.
1. Phase = entzündliche, sekretreiche Phase
Im Vordergrund steht die Wundreinigung und das Abräumen defekten Gewebes. Merkmal: Absonderung von Wundsekret (Blut- und Lymphflüssigkeit). Der Gerinnungsprozess wird in Gang gesetzt. Erste Schritte zum Wiederaufbau des Gewebedefektes (erhöhte Zellteilung) erfolgen.
2. Phase = Aufbauphase
Nach etwa 4 Tagen setzt die Gewebe-Neubildung ein. Neue Bündel aus Kollagen-Fasern werden gebildet (sie geben unserer Haut die nötige Festigkeit und Stabilität). Es entsteht ein neues Gewebe, mit neugebildeten feinsten Blutgefäßen (bei größeren Wunden an der körnigen, roten Oberfläche zu erkennen). Die oberste Schicht wird von einem eiweißreichen Sekret überzogen - dem Schorf. Je schneller die Durchblutung und damit die Versorgung der Wunde mit Nährstoffen und körpereigenen Abwehrzellen wieder funktioniert, umso schneller heilt die Wunde.
3. Phase = Wiederherstellungsphase
Nach etwa 6 bis 10 Tagen beginnt die Bildung neuer Hornhautzellen. Die Kollagen-Faserbündel nehmen jetzt rasch zu. Die Wunde beginnt sich zusammenzuziehen und verfestigt sich. Unter Verlust von Wasser und Gefäßen bildet sich das Narbengewebe. Zum Abschluss der Wundheilung setzt vom Wundrand her die Bildung neuer Hornhaut ein.
Tipp für den Notfall
Für alle stark verschmutzten und infektionsgefährdeten Wunden gilt als Erstes: Reinigung, Wundspülung und Desinfektion! Ist eine aufgetretene Blutung gestillt, dann die Wunde mit einer keimfreien Wundauflage bedecken - im Notfall tut es auch ein sauberes Taschentuch. Setzt nach Tagen die Gewebe-Neubildung ein, helfen thenol-haltige Salben, die Wundheilung zu unterstützen.
Wundauflagen
Wundauflagen sollen eine schnelle Blutgerinnung ermöglichen und dabei eine Infektion der Wunde verhindern. Sie sollen zügig die Phasen 2 und 3 der Wundheilung einleiten und in allen Phasen für ein optimales Wundmilieu sorgen. Ihre Aufgaben:
- Temperatur und Feuchtigkeit regulieren
- Fremde Mikroorganismen abschirmen
- Vor UV-Strahlen schützen
- Für einen optimalen pH-Wert sorgen
- Die Sauerstoffversorgung ermöglichen
- Die Wanderung von Immunzellen unterstützen
- Einen mechanischen Schutz gewährleisten
Was die Wundheilung negativ beeinflussen kann!
Erkrankungen: z.B. Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Krampfadern
Medikamente: Krebsmittel, Psychopharmaka und sogar Kortison, andere entzündungshemmende Substanzen, Antibiotika oder Antiseptika können einen negativen Einfluss auf das Wundheilungsgeschehen ausüben.
Außerdem: hohes Alter (im Alter heilen Wunden langsamer), zu wenig Schlaf, Vitamin- und eiweißarme Ernährung, nicht intaktes Immunsystem, Schmerzen. Rauchen verzögert ebenfalls die Wundheilung, da Rauchen meist einen Vitamin C-Mangel fördert. Vitamin C stimuliert jedoch die Kollagenbildung und aktiviert das Immunsystem.
Welche von ca. 3.000 Wundauflagen nehmen?
Je nach Art und Schweregrad der Wunde (Wundtiefe, Infektion etc.) entscheiden.
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